Juli 2026. Aus dem leben der Gedächtniskirche

Juli 2026. 80. Todestag des Priesters Wladimir Tarasowitsch Tyminskij (1887-1945)

Im Mai vergangenen Jahres jährte sich zum 80. Mal der Todestag des Priesters Wladimir Tyminskij, der während des Zweiten Weltkriegs nach Leipzig gekommen war. Er starb am Ende des Krieges und wurde in der russisch-orthodoxe Abteilung Ostfriedhofs beigesetzt, inmitten der Gräber russisch-orthodoxer Christen, der Gemeinde der Gedächtniskirche des Russischen Ruhms in Leipzig.

Priester Wladimir Tarasowitsch Tyminskij wurde als Sohn eines Dorfpriesters in der damals zu Österreich-Ungarn gehörenden Bukowina (od. Buchenland) am 27. (15.) August 1887 geboren und verbrachte den größten Teil seines Lebens fern von Leipzig, in einer einfachen ländlichen Umgebung. Schon in jungen Jahren folgte er dem Weg seines Vaters, Taras Tyminskij (im Mönchsstand Tit), und widmete sein Leben dem priesterlichen Dienst.

Das bukowinische Dorf Bergomet, in dem Wladimir geboren wurde, ebenso wie die Dörfer, in denen er später als Seelsorger wirkte, waren geprägt von der schlichten und bescheidenen Lebensweise der ruthenischen Landbevölkerung. Von einem Dorfpriester wurde vor allem erwartet, den einfachen Menschen in ihrem Alltag geistlich beizustehen.

Gegen Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde diese ruhige Region von tiefgreifenden Umbrüchen erschüttert. Innerhalb von nur zwanzig Jahren wechselte die staatliche Zugehörigkeit der Bukowina dreimal – von der Österreichisch-Ungarischen Monarchie zum Königreich Rumänien und schließlich zur Sowjetukraine. Diese politischen Veränderungen, die Kriege und die ideologischen Auseinandersetzungen erfassten auch die Bevölkerung der Bukowina, die überwiegend aus Rusinen (auch Ruthenen) und Rumänen bestand. Die Ruthenen, Erben der alten west­russischen Tradition, wurden zunehmend als Ukrainer bezeichnet; andere hielten an ihrer altrussischen Identität fest und wurden abwertend als „Moskowophile“ bezeichnet. Diese Spannungen innerhalb der Bevölkerung führten zu staatlicher Verfolgung und politischen Repressalien. Auch ein Teil der orthodoxen Geistlichkeit der Bukowina ließ sich in diese nationalen Auseinandersetzungen hineinziehen, ungeachtet ihrer geistlichen Berufung.

Wladimir schien jedoch weder den politischen Weg seines Vaters, Taras Tyminskij, eines engagierten Ukrainophilen, noch den seines Onkels Iwan Tyminskij eingeschlagen zu haben, der dem altrussischen Lager nahestand und sich der großrussischen kirchlichen und kulturellen Tradition verbunden fühlte. Stattdessen widmete er sich mit großer Hingabe seiner eigentlichen Berufung: dem seelsorgerlichen Dienst an den Menschen in den ihm anvertrauten Gemeinden.

Die letzten Jahre seines Lebens musste Vater Wladimir fern der Heimat verbringen. Nach seiner Emigration hielt er sich zunächst in Rumänien auf, wo seine Ehefrau verstarb. Später gelangte er auf das Gebiet des Dritten Reiches; seine letzte Lebensstation wurde Leipzig. Im Gedenkbuch für die Opfer des nationalsozialistischen Regimes in Leipzig wird sein Name unter den „Zivilarbeitern“ geführt – Menschen aus Russland und Osteuropa, die freiwillig oder unter Zwang zur Arbeit im Deutschen Reich verschleppt wurden.

Priester Wladimir Tyminskij starb am 20. Mai 1945 in Leipzig, kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, noch in vergleichsweise jungen Jahren. Vermutlich waren die Folgen der schweren Zwangsarbeit, der Unterernährung und der mangelnden medizinischen Versorgung ausschlaggebend für seinen frühen Tod.

Dasselbe Schicksal führte auch einige weitere Familien aus der Bukowina nach Leipzig. Der damalige Geistliche der Russischen Gedächtniskirche, Erzpriester Georgij Romanowitsch († 1975), stammte ebenfalls aus der Bukowina. Er sorgte dafür, dass sein Mitbruder und Landsmann, Priester Wladimir, eine würdige Ruhestätte erhielt, und kümmerte sich bis 1975 um dessen Grab auf dem Leipziger Ostfriedhof.

Heute, achtzig Jahre nach seinem Tod, bleibt die Erinnerung an Vater Wladimir in der Russischen Gedächtniskirche lebendig. Sein Name wird in der Kirche bis heute im Gebet bewahrt.

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